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Pflegestufen mit Demenz2018-05-26T10:07:09+00:00

Menschen mit einer Demenzerkrankung sind nicht immer auch körperlich erkrankt. Trotzdem sind sie im Alltag auf Hilfe angewiesen und können Leistungen aus der Pflegeversicherung beziehen.
Eine Demenzerkrankung stellt andere Anforderungen an die Pflege als eine körperliche Erkrankung. In vielen Fällen sind die körperlichen Beeinträchtigungen verhältnismäßig gering, so dass die Betroffenen rein motorisch noch in der Lage sind, sich beispielsweise selbst zu waschen oder sich eine Mahlzeit zuzubereiten und diese einzunehmen. Die Beeinträchtigung liegt vielmehr im kognitiven Bereich und nimmt im Verlauf der Krankheit zu. Deshalb sind Demenz- oder Alzheimerkranke weniger selbstständig als es häufig den Anschein hat.

In der Politik gibt es seit langem Debatten über kognitive und psychische Erkrankungen. Anders als körperliche Beeinträchtigungen wurden diese nämlich bis vor kurzem in der Ermittlung der Pflegebedürftigkeit nur unzureichend berücksichtigt. Da das System der Pflegestufen, das pflegebedürftige Personen in ihrem Grad der Pflegebedürftigkeit bewertet und über die Höhe der Leistungen aus der Pflegeversicherung entscheidet, auf dem zeitlichen Aufwand der Pflege basiert, dieser aber für Demenzkranke nicht in dem Maße gegeben ist wie für körperlich kranke Personen, wurden Versicherungsnehmer mit einer kognitiven Erkrankung in vielen Fällen niedriger eingestuft als eigentlich erforderlich oder wurden gänzlich von der Pflegeversicherung abgelehnt. Erst die Pflegereform, die 2015 teilweise und 2017 vollständig in Kraft getreten ist, hat die Situation von demenzkranken Versicherungsnehmern verbessert – sie erhalten mit den neuen Pflegegraden höhere Leistungen und werden in gleichem Maße wie körperlich erkrankte Personen berücksichtigt.

 
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Voraussetzungen für Pflegestufen mit Demenz

Bis Ende 2016 vergaben die Pflegeversicherungen sogenannte Pflegestufen, um die Leistungen für Pflegebedürftige zu regeln. Um den Pflegebedarf eines Antragstellers zu ermitteln und die entsprechende Pflegestufe festzulegen, gibt die Pflegeversicherung ein Gutachten in Auftrag, das durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) durchgeführt wird. Ausschlaggebend sind dabei vier Bereiche, in denen ein Pflegebedürftiger Hilfe benötigt: Dazu zählen die sogenannte Grundpflege, die sich aus der Körperpflege, der Mobilität und der Ernährung zusammensetzt, sowie die hauswirtschaftliche Versorgung. Weil diese aber nur wenige Verrichtungen des Alltags abdecken, sind hauptsächlich körperlich bedingte Pflegehandlungen davon betroffen. Durch kognitive Einschränkungen kann die Pflege jedoch deutlich erschwert werden – Menschen mit einer Demenzerkrankung müssen beispielsweise bei der Körperpflege oder der Zubereitung von Mahlzeiten angeleitet werden.

Im Zuge der Pflegereform wurde erkannt, dass Demenz, Alzheimer oder psychische Erkrankungen mit ähnlichen Folgen sich negativ auf die Selbstständigkeit auswirken. Um den höheren Pflegeaufwand, der aber von der Pflegeversicherung nicht erfasst wurde, aufzufangen und Menschen mit einer kognitiven Beeinträchtigung zu unterstützen, wurde in den Richtlinien zur Einstufung in eine Pflegestufe der Begriff der „erheblichen Einschränkung der Alltagskompetenz“ eingeführt. Unabhängig von der konkreten Diagnose konnten Demenzkranke seitdem höhere Ansprüche bei der Pflegeversicherung geltend machen. Unter dem Begriff der „eingeschränkten Alltagskompetenz“ werden folgende Bereiche zusammengefasst, in denen Demenzkranke auf Unterstützung oder Betreuung angewiesen sind:

  1. unkontrolliertes Verlassen der Wohnung oder des Grundstücks
  2. Verursachung von gefährlichen Situationen, ohne diese als solche zu erkennen
  3. unsachgemäßer Gebrauch von gefährlichen Gegenständen oder Substanzen
  4. aggressives Verhalten, weil Situationen falsch eingeschätzt werden
  5. inadäquates Verhalten im Bezug auf eine Situation
  6. Unfähigkeit, die eigenen körperlichen/psychischen Bedürfnisse wahrzunehmen
  7. fehlende Kooperation bei therapeutischen Maßnahmen (durch z. B. Depression, Angststörung)
  8. Störungen der höheren Hirnfunktionen, die soziale Handlungen im Alltag beeinflussen (fehlendes Urteilsvermögen, Gedächtnisverlust)
  9. gestörter Tag-/Nachtrhythmus
  10. fehlende Fähigkeit, den eigenen Alltag zu strukturieren
  11. Verkennen von Alltagssituationen, gefolgt von inadäquater Reaktion
  12. labiles Verhalten (unkontrollierte Emotionalität)
  13. langfristige Niedergeschlagenheit, Trägheit, Hoffnungslosigkeit durch u. a. Depression

Für Pflegebedürftige mit einer Demenz, denen durch einen Arzt eine „eingeschränkte Alltagskompetenz“ bescheinigt wird, hat der Gesetzgeber die Pflegestufe 0 eingeführt, die die drei ursprünglichen Pflegestufen ergänzt. Pflegestufe 0 trifft auf Versicherungsnehmer zu, die den täglichen Zeitaufwand, der für Pflegestufe 1 erforderlich ist, nicht erreichen, aber aufgrund einer Demenzerkrankung auf Unterstützung angewiesen sind. Darüber hinaus gelten für Versicherungsnehmer mit einer „eingeschränkten Alltagskompetenz“ innerhalb der Pflegestufen 1 bis 3 höhere Leitungssätze.

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