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Pflegestufe 02017-10-30T14:29:42+00:00

Weil immer mehr Menschen eine „eingeschränkte Alltagskompetenz“ aufwiesen, aber nicht die Voraussetzungen für eine Pflegestufe erfüllten, wurde 2008 die Pflegestufe 0 eingeführt.

Die Pflegebedürftigkeit ist ein gesetzlich definierter Begriff, der festlegt, ab wann ein Versicherungsnehmer das Recht auf finanzielle Unterstützung durch die Pflegeversicherung hat. Sie legt fest, ob ein Versicherter überhaupt Leistungen der Pflegekasse beantragen kann, und in welcher Höhe diese Leistungen vergeben werden. Die Höhe der Leistungen ist in Form von sogenannten Pflegestufen geregelt, die eine pflegebedürftige Person in ein vierstufiges System einordnen. Je geringer dabei die Fähigkeit des Versicherten, sich selbst zu versorgen und den Alltag eigenständig zu gestalten, ausfällt, desto höher ist auch die jeweilige Pflegestufe, der er zugeordnet wird.

Voraussetzungen für den Erhalt einer Pflegestufe

Um eine Einordnung in die Pflegestufe 1, 2 oder 3 zu erhalten, muss der Versicherungsnehmer körperlich oder geistig so weit eingeschränkt sein, dass seine tägliche Pflege mindestens 90 Minuten in Anspruch nimmt – durchgeführt von einem pflegenden Angehörigen oder einer Pflegefachkraft eines Pflegedienstes. Dass es darüber hinaus auch Personen gibt, die im Alltag auf Pflege und Unterstützung angewiesen sind, diese aber weniger als 90 Minuten am Tag umfassen kann, wurde von den Pflegeversicherungen über viele Jahre vernachlässigt. Vor allem Menschen mit einer beginnenden Demenzerkrankung, die abgesehen von ihrem geistigen Zustand im Grunde keiner Betreuung oder Pflege im eigentlichen Sinn bedürfen, konnten daher lange Zeit keine Ansprüche bei der Pflegeversicherung geltend machen. Für sie und andere Menschen mit einer geringen Pflegebedürftigkeit wurde 2008 die Pflegestufe 0 eingeführt, die 2012 mit dem sogenannten Pflege-Neuausrichtungs-Gesetz in Kraft trat.

Was ist die Pflegestufe 0?

Die Pflegestufe 0 richtet sich an Versicherungsnehmer, die die Voraussetzungen für die Pflegestufe 1 nicht erreichen, aber dennoch nachgewiesen auf Unterstützung im Alltag angewiesen sind. Ein wichtiger Baustein, der im Rahmen des Pflege-Neuausrichtungs-Gesetzes aus dem Jahr 2012 festgehalten wurde, ist die „eingeschränkte Alltagskompetenz“. Versicherungsnehmer mit einer geistigen oder psychischen Erkrankung oder Beeinträchtigung im Sinne einer „eingeschränkten Alltagskompetenz“ haben seitdem die Möglichkeit, staatliche Leistungen für den Aufwand der häuslichen Pflege zu beantragen.

Damit die Pflegeversicherung einen Versicherungsnehmer der Pflegestufe 0 zuordnet, muss die „eingeschränkte Alltagskompetenz“ durch den behandelnden Arzt bestätigt werden. So haben Personen, die z. B. am Beginn einer Demenzerkrankung stehen, einen Anspruch auf Leistungen, die sie im Alltag entlasten können. Weil sie körperlich oftmals noch fit sind und sich rein theoretisch noch selbst versorgen können, ihre geistigen Fähigkeiten aber mehr und mehr nachlassen, benötigen sie jemanden, der sie regelmäßig betreut und ihnen bei der Bewältigung alltäglicher Verrichtungen hilft. Oftmals übernimmt ein Angehöriger zunächst diese Pflege, die im weiteren Verlauf der Erkrankung aber zu einer steigenden Belastung werden kann. Die Pflegestufe 0 ist der Vorläufer des im Januar 2017 eingeführten Pflegegrads 2.

Wer hat Anspruch auf Leistungen der Pflegestufe 0?

Das Pflege-Neuausrichtungs-Gesetz, das im Rahmen der Pflegereform beschlossen wurde, legt fest, unter welchen Umständen die Leistungen der Pflegestufe 0 beantragt werden können. Ein zentraler Begriff ist dabei die „eingeschränkte Alltagskompetenz“. Sie trifft auf Versicherungsnehmer zu, die beispielsweise eine Demenzerkrankung haben, psychische Beeinträchtigungen aufweisen oder von einer geistigen Behinderung betroffen sind. Um den Anspruch auf eine Pflegestufe geltend zu machen, werden darunter Personen verstanden, die ihren Alltag nicht (oder nicht mehr) eigenständig gestalten können, obwohl sie rein körperlich noch dazu in der Lage wären, sich z. B. selbst zu waschen, Mahlzeiten zuzubereiten oder sich an- bzw. entkleiden zu können.
Die kognitive Beeinträchtigung aufgrund einer Demenz oder psychischen Erkrankung aber macht es notwendig, dass die Versicherungsnehmer im Alltag eine Unterstützung erhalten, die z. B. am Morgen und am Mittag oder am Abend vorbeikommt und sicherstellt, dass alles in Ordnung ist. Wer also eine nachgewiesene „eingeschränkte Alltagskompetenz“ besitzt, aber nicht die Voraussetzungen der Pflegestufe 1 erfüllt, kann im Rahmen der Pflegestufe 0 Pflegegeld oder Pflegesachleistungen bei der Pflegeversicherung beantragen.

Welche Leistungen umfasst die Pflegestufe 0?

Die Leistungen der Pflegestufe 0 umfassen ein Pflegegeld bzw. Pflegesachleistungen. Entscheidet sich der Versicherungsnehmer für ein Pflegegeld, erhält er 123,00 Euro im Monat. Wird dagegen ein professioneller Pflegedienst eingesetzt, können Sachleistungen im Gegenwert von 231,00 Euro geltend gemacht werden.
Über diese Grundleistungen hinaus umfasst die Pflegestufe 0 eine Verhinderungspflege, für die jährlich bis zu 1.612,00 Euro gezahlt werden. Zudem kann der Versicherungsnehmer monatliche Pflegehilfsmittel im Wert von 40,00 Euro erhalten. Leistungen für den Besuch einer Tagespflege oder die vollstationäre Pflege sind im Rahmen der Pflegestufe 0 dagegen nicht übernommen.
Zusätzlich haben Pflegebedürftige der Pflegestufe 0 die Möglichkeit, Fördergelder für die barrierefreie Umgestaltung des Wohnraums zu beantragen. Bis zu 4.000,00 Euro können pro anspruchberechtigter Person geltend gemacht werden, um beispielsweise einen Treppenlift einzubauen.

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