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Pflegestufen und Pflegegrade2017-10-30T15:06:33+00:00

Zum 1. Januar 2017 wurden die Pflegestufen durch Pflegegrade ersetzt. Mit der Erneuerung des Pflegeversicherungsgesetzes ändern sich die Voraussetzungen für den Erhalt von Leistungen der Pflegeversicherung.

Im Zentrum der gesetzlichen Änderungen des Pflegeversicherungsgesetzes steht die Entwicklung eines neuen Begriffs der Pflegebedürftigkeit. Ab dem 1. Januar 2017 gelten im Zuge des Zweiten Pflegestärkungsgesetzes, das zu diesem Zeitpunkt in Kraft getreten ist, nicht mehr die bekannten Pflegestufen, sondern fünf neue Pflegegrade. Sie ersetzen die Pflegestufen vollständig und sollen allen pflegebedürftigen Personen gleichberechtigte Chancen auf Leistungen der Pflegeversicherung bieten. Ob ein Versicherungsnehmer aufgrund einer körperlichen, geistigen oder psychischen Beeinträchtigung pflegebedürftig ist, wird mit der Pflegereform nicht mehr unterschiedlich bewertet.

Wer bereits vor dem 1. Januar 2017 eine Einordnung in eine Pflegestufe besitzt und Leistungen der Pflegeversicherung bezieht, wird automatisch in den entsprechenden Pflegegrad übergeleitet.

Wie erfolgt die Überleitung aus einer Pflegestufe in einen Pflegegrad?

Da es nun nicht mehr vier Pflegestufen, sondern fünf Pflegegrade gibt, kann die Pflegeversicherung eine differenziertere Einteilung vornehmen, um jedem Pflegebedürftigen die Leistungen zuzuerkennen, die seinem Grad der Pflegebedürftigkeit entsprechen – ganz gleich ob die Ursache körperlich, geistig oder psychisch ist. Die Neu-Zuordnung von Versicherungsnehmern, die bereits eine Pflegestufe haben, folgt dabei einem einfachen Rechenprinzip:

  • Pflegebedürftige mit einer ausschließlich körperlichen Erkrankung oder Behinderung werden eine Stufe höhergestellt.
  • Pflegebedürftige mit „eingeschränkter Alltagskompetenz“ aufgrund von z. B. Demenz oder einer psychischen Erkrankung werden zwei Stufen höhergestellt.

Eines der Hauptziele der Pflegereform ist, Menschen mit einer „eingeschränkten Alltagskompetenz“ gegenüber körperlich beeinträchtigten Menschen gleichzustellen. Um aber keinen der bereits zugeordneten Versicherungsnehmer zu benachteiligen, erhalten ab dem 1. Januar 2017 alle Personen mit einer Pflegestufe einen höheren Pflegegrad und somit auch höhere Leistungen. Im Zusammenhang mit der Überleitung in die Pflegegrade werden alle Versicherungsnehmer mindestens dem Pflegegrad 2 zugeteilt. Der neue Pflegegrad 1 kann dagegen ausschließlich für neu beantragte Fälle der Pflegebedürftigkeit vergeben werden.

Worin unterscheiden sich die Pflegegrade von den Pflegestufen?

Das Neue an der Einführung der Pflegegrade ist, dass nun psychische bzw. kognitive Faktoren mit körperlichen Faktoren gleichgesetzt werden. Solange eine Einteilung in Pflegestufen vorgenommen wurde, stand die Betrachtung von körperlichen Einschränkungen im Vordergrund, während kognitive Beeinträchtigungen kaum Gewichtung fanden. Vor allem Versicherungsnehmer mit einer Demenzerkrankung profitieren von den Veränderungen, die mit der Pflegereform in Kraft getreten sind. Darüber hinaus hat die Einführung der Pflegestärkungsgesetze aber noch weitere Vorteile:

  • durchschnittlich höhere Gelder
  • neuer Kriterienkatalog für die Begutachtung der Pflegebedürftigkeit
  • Angleichung der Leistungen an die Preisentwicklung
  • stärkere Berücksichtigung kognitiver Beeinträchtigungen, insbesondere Demenz
  • insgesamt mehr Gelder für die Pflege

Mit den Pflegestärkungsgesetzen, die 2015 (PSG I) und 2017 (PSG II und III) in Kraft getreten sind, sollen Versicherungsnehmer mit einer Pflegestufe bzw. einem neuen Pflegegrad eine Verbesserung ihrer finanziellen Lage erfahren. Den Pflegegraden kommt dabei die Aufgabe zu, die Versicherungsnehmer anhand ihrer noch vorhandenen Selbstständigkeit mit den passenden Leistungen zu versorgen. Im Gegensatz zu den bisherigen Pflegestufen schaffen die Pflegegrade auch die sogenannte Minutenpflege ab: Statt Minuten zu zählen, bewertet der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK), der das Gutachten zu einem Antrag auf einen Pflegegrad erstellt, die verbleibende Selbstständigkeit des Versicherungsnehmers anhand eines gesetzlich geregelten Punktesystems.

Wie werden die einzelnen Pflegegrade errechnet?

Die Grundlage für die Bewilligung eines Pflegegrads ist nach wie vor die Erstellung eines Gutachtens durch einen Mitarbeiter des MDK, der den Versicherungsnehmer zu Hause besucht. Ein neuer Kriterienkatalog bildet die Basis, auf der ein Antragsteller auf den entsprechenden Grad der Pflegebedürftigkeit hin überprüft werden kann:

  • Mobilität: Aufstehen, Zubettgehen, Hinsetzen, Gehen, Treppensteigen
  • Kognitive und kommunikative Fähigkeiten: Sprachfähigkeit, räumliche und zeitliche Orientierung, Entscheidungsfähigkeit
  • Verhaltensweisen und psychische Problemlagen: Unruhe, psychische Belastungen, motorisch auffälliges Verhalten
  • Selbstversorgung: Körperpflege, An- und Ausziehen, Zubereitung von Mahlzeiten, Nahrungsaufnahme
  • Bewältigung und selbstständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen: Arztbesuche, Stellen der Medikamente, Einnahme von Medikamenten
  • Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte: Beschäftigungen in der Freizeit, Kontakt zu Familie und Freunden, weitere soziale Kontakte

Für jeden dieser sechs Bereiche nimmt der Gutachter eine Einschätzung vor, in welchem Maß der Versicherungsnehmer sich noch selbstständig versorgen kann und vergibt in den einzelnen Kategorien Punkte. Je weniger Selbstständigkeit in einem Bereich noch vorhanden ist, desto mehr Punkte werden vergeben. Die Gesamtsumme der Punkte bestimmt, welchen Pflegegrad der Versicherungsnehmer erhält – dabei zählen nicht mehr die Minuten einer einzelnen Pflegehandlung, sondern allein die Fähigkeit des Antragstellers, sich eigenständig zu versorgen. Um einen Pflegegrad zu erhalten, sind mindestens 12,5 Punkte notwendig. Es können maximal 100 Punkte vergeben werden:

  • Pflegegrad 1: 12,5 – unter 27 Punkte
  • Pflegegrad 2: 27 – unter 47,5 Punkte
  • Pflegegrad 3: 47,5 – unter 70 Punkte
  • Pflegegrad 4: 70 – unter 90 Punkte
  • Pflegegrad 5: 90 – 100 Punkte
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