Pflegestufenantrag Hilfe

Obwohl grundsätzlich jeder das Recht auf einen Pflegestufenantrag hat, ist die Beantragung mit vielen Fragen verbunden. Pflegeberatungsstellen und Online-Angebote bieten Hilfe für den Pflegestufenantrag.

Ein Pflegefall kann schneller eintreten, als viele Menschen wahrhaben möchten. Ursachen für eine Pflegebedürftigkeit im Sinne der gesetzlichen Bestimmungen können Unfälle, Behinderungen und geistige sowie körperliche Erkrankungen und Beeinträchtigungen sein. In vielen Köpfen wird der Begriff Pflegefall mit älteren Menschen verbunden, die aufgrund ihres hohen Lebensalters auf fremde Hilfe angewiesen sind oder an Demenz erkranken. Doch auch jüngere Menschen oder Kinder können zum Pflegefall werden.

Auf Unterstützung angewiesen zu sein, aber keine Hilfe zu bekommen, ist ein Fall, der nach Möglichkeit nicht eintreten sollte. Um Menschen, die pflegebedürftig werden, einen weitgehend eigenständigen Alltag zu ermöglichen, hat die Bundesregierung erstmals im Jahr 1995 eine gesetzliche Pflegeversicherung eingeführt. Zu den Leistungen, die die Pflegeversicherung an pflegebedürftige Versicherungsnehmer auszahlt, gehören ein monatliches Pflegegeld, Pflegesachleistungen sowie verschiedene finanzielle Unterstützungsmöglichkeiten für z. B. die Verhinderungs- oder Kurzzeitpflege, die stationäre Pflege oder eine behindertengerechte Anpassung des Wohnraums.

Bevor jedoch Leistungen der Pflegeversicherung beansprucht werden können, muss eine pflegebedürftige Person einen Antrag bei ihrer Pflegeversicherung stellen. Schon im Vorfeld des Pflegestufenantrags können allerdings viele Fragen auftreten. Eine frühzeitige Beratung und Information hilft dabei, gravierende Fehler bei der Beantragung einer Pflegestufe zu vermeiden.

Wie lässt sich die richtige Pflegestufe ermitteln?

In der Regel ist die Pflegeversicherung an die Krankenkasse eines jeden Versicherungsnehmers angeschlossen. Oftmals erfolgt die Beantragung einer Pflegestufe deshalb bei der zuständigen Krankenkasse, die den Antrag an die entsprechende Stelle der Pflegeversicherung weiterleitet. Um zu ermitteln, welche Pflegestufe – bzw. ab 2017 welchen Pflegegrad – dem Versicherungsnehmer zusteht, beauftragt die Pflegeversicherung den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) mit der Erstellung eines Gutachtens. Die Pflegeversicherung selbst bekommt den Pflegebedürftigen also während des Antragsverfahrens nicht zu Gesicht – deshalb ist es von besonderer Wichtigkeit, dass das Gutachten, das der MDK erstellt, der Realität entspricht. Nimmt der Gutachter z. B. den Pflegebedürftigen fitter wahr als er im Alltag eigentlich ist, kann es zu einer Ablehnung oder einer zu niedrigen Einstufung kommen.

Die Pflegestufe bzw. der Pflegegrad selbst werden durch das Gutachten bestimmt. Im Rahmen eines Besuchs bei dem Antragsteller überprüft der Gutachter des MDK, wie selbstständig die pflegebedürftige Person noch ist, welche geistigen und körperlichen Fähigkeiten vorhanden sind und wie oft sie auf Unterstützung angewiesen ist. Je höher der Hilfebedarf ausfällt, desto höher ist in der Regel auch die Einstufung und desto höhere Leistungen können in Anspruch genommen werden. Ein folgender Widerspruch gegen die Pflegeeinstufung kann vermieden werden

Wann ist der richtige Zeitpunkt für einen Pflegestufenantrag?

Wenn die Pflegebedürftigkeit eines Versicherungsnehmers tägliche Hilfe erfordert, ist es besonders wichtig, dass der Pflegestufenantrag in der richtigen Pflegestufe resultiert. Sind die Leistungen zu niedrig, aber es kann nicht auf einen Pflegedienst verzichtet werden, müssen die Versicherungsnehmer oder deren Angehörige aus eigener Tasche für die Dienstleistung aufkommen. Mit der richtigen Pflegestufe aber kann ein großer Teil der monatlichen bzw. jährlichen Kosten abgedeckt werden. Werden beim Pflegestufenantrag Fehler gemacht, kann es zudem auch zu einer vollständigen Ablehnung einer Pflegestufe kommen.

Ein Pflegestufenantrag, der Aussicht auf Erfolg bietet, sollte spätestens dann gestellt werden, wenn alltägliche Verrichtungen, die eigentlich selbstständig ausgeführt werden können, nicht mehr ohne Hilfe einer weiteren Person durchgeführt werden können. Tätigkeiten, die ein Erwachsener im Normalfall allein erledigen kann, sind z. B. das An- und Ausziehen, die Körperpflege oder das Gehen in der Wohnung, aber auch das Zubereiten und Einnehmen von Mahlzeiten, die Erledigung von Einkäufen oder der Gang zum Arzt sowie die Reinigung der Wohnung oder das Wäschewaschen. Ist der Betroffene nicht mehr in der Lage, nur wenige dieser Verrichtungen selbstständig auszuführen, sollte ein Pflegestufenantrag gestellt werden. Auch wenn zunächst möglicherweise nur eine niedrige Pflegestufe gewährt wird, kann der Versicherungsnehmer von den Leistungen der Pflegeversicherung profitieren. Eine Höherstufung ist auch später noch möglich, wenn sich beispielsweise der Gesundheitszustand des Pflegebedürftigen deutlich verschlechtert. Eine Höherstufung ist von einem erneuten Antrag bei der Pflegeversicherung abhängig.

So erhalten Sie Hilfe beim Pflegestufenantrag

Um eine Pflegestufe zu erhalten, ist es nicht nur wichtig, den Antrag richtig zu stellen. Auch und vor allem ist ausschlaggebend, wie sich der Pflegebedürftige am Tag der Begutachtung verhält. An diesem Tag zeichnet der Gutachter des MDK eine Art Momentaufnahme des Pflegebedürftigen, die als Grundlage für die Erteilung einer Pflegestufe gilt.
Hilfe bei der Anfertigung des Antrags bei der Pflegeversicherung und bei der Vorbereitung auf den Begutachtungstermin erhalten Sie sowohl in Pflegeberatungsstellen als auch online. Bei uns finden Sie wichtige Tipps für die Formulierung des Pflegestufenantrags; darüber hinaus helfen wir Ihnen dabei, ein Pflegetagebuch zu erstellen und zu führen, oder wichtige Dokumente bei Ärzten und Krankenhäusern anzufordern, die Sie dem Gutachter des MDK vorlegen sollten.