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Pflegestufe 32017-10-30T14:39:40+00:00

Unter Pflegestufe 3 wird der Grad der schwersten Pflegebedürftigkeit verstanden. Darunter fallen Menschen, die jederzeit und rund um die Uhr auf Versorgung und Unterstützung angewiesen sind.

Für den Fall, dass sich eine Person aufgrund körperlicher Erkrankungen oder Behinderungen nicht oder nicht mehr selbstständig versorgen kann, sieht die Pflegeversicherung finanzielle Zuschüsse vor. Damit können pflegebedürftige Menschen ihren Alltag entlasten, pflegende Angehörige entschädigen oder einen professionellen Pflegedienst beauftragen, der die Pflege übernimmt. Bis Ende 2016 waren diese Leistungen in Form von Pflegestufen geregelt, seit Januar 2017 wurden diese durch fünf neue Pflegegrade ersetzt.

Im System der Pflegestufen bildet Pflegestufe 3 die höchste Stufe ab, die nicht nur auf „schwerstpflegebedürftige“ Personen zutrifft, sondern auch sogenannte Härtefälle umfasst. Das Ziel dieser Pflegestufe ist, bei sehr schweren körperlichen und kognitiven Einschränkungen eine umfassende Pflege und Versorgung zu gewährleisten, und den Betroffenen rund um die Uhr zu versorgen. Dennoch vermag dieser höchste Pflegestufen-Satz nicht immer sämtliche Kosten zu decken, so dass der Pflegebedürftige oder seine Angehörigen die restlichen Mittel für die Pflege selbst aufbringen müssen.

Kriterien für den Erhalt der Pflegestufe 3

Im Elften Sozialgesetzbuch (SGB XI), das die Pflegebedürftigkeit gesetzlich regelt, sind auch die Voraussetzungen für den Erhalt der Pflegestufe 3 definiert. Eine „schwerste Pflegebedürftigkeit“ liegt demnach dann vor, wenn die betroffene Person körperlich und kognitiv so eingeschränkt ist, dass rund um die Uhr eine Pflegekraft anwesend sein muss, um sie bei Verrichtungen der Grundpflege zu unterstützen. Unter Grundpflege werden sämtliche Handlungen verstanden, die die Körperpflege, die Ernährung und die Mobilität betreffen. Im Tagesdurchschnitt müssen mindestens fünf Stunden (300 Minuten) für die Pflege benötigt werden. Davon sind mindestens vier Stunden (240 Minuten) für die Grundpflege vorgesehen. Zudem benötigt der Pflegebedürftige mehrmals in der Woche Hilfe bei hauswirtschaftlichen Verrichtungen. Die einzelnen Kriterien umfassen u. a. folgende Handlungen:

  • Körperpflege: Waschen, Duschen/Baden, Haarwäsche, Zahnpflege, Kämmen, Rasieren, Darm- und Blasenentleerung
  • Ernährung: Zubereitung und mundgerechte Bereitstellung bzw. Aufnahme der Nahrung
  • Mobilität: Aufstehen, Zubettgehen, An- und Auskleiden, Gehen, Stehen, Treppensteigen, Verlassen und Wiederaufsuchen der Wohnung
  • Hauswirtschaftliche Versorgung: Einkaufen, Kochen, Reinigung der Wohnung, Spülen, Aufräumen, Wechseln der Bettwäsche, Waschen, Beheizen der Wohnräume

Um die Voraussetzungen für Pflegestufe 3 im Sinne einer „Schwerstpflegebedürftigkeit“ zu erfüllen, müssen Versicherungsnehmer rund um die Uhr auf die Versorgung durch eine pflegende Person angewiesen sein, d. h. die Versorgung muss zudem auch während der Nachtstunden gewährleistet sein. Selbst bei kleinsten Alltagshandlungen wie etwa dem Aufstehen, Gehen und Hinsetzen oder beim Gang zur Toilette muss jemand anwesend sein. Da sich die Erteilung einer Pflegestufe nach dem zeitlichen Aufwand richtet, der tagtäglich für die Pflege und Versorgung des pflegebedürften Versicherungsnehmers aufgewendet werden muss, kommt es bei der Ermittlung des Pflegebedarfs auf jede Minute an.

Wer hat Anspruch auf Leistungen der Pflegestufe 3?

Die Anerkennung der Schwerstpflegebedürftigkeit richtet sich nach den oben genannten Kriterien. Diese werden im Anschluss an die Antragstellung bei der Pflegeversicherung im Rahmen eines Gutachtens überprüft und bewertet. Ein solches Gutachten erstellt die Pflegeversicherung jedoch nicht selbst, sondern beauftragt den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK). In den ersten Wochen nach der Antragstellung erhält jeder Antragsteller daher einen Besuch des MDK, damit dieser ein Gutachten erstellen kann, in dessen Rahmen er minutiös überprüft, ob der Grad der Pflegebedürftigkeit tatsächlich den Voraussetzungen der Pflegestufe 3 entspricht und die 300 Minuten im Tagesdurchschnitt erreicht werden.

Nachdem der Gutachter des MDK sein Gutachten der Pflegeversicherung zur Verfügung gestellt hat, errechnet diese die Pflegestufe, die dem Antragsteller zuerkannt wird. Wird über die Pflegestufe 3 hinaus sogar eine noch umfassendere Pflege benötigt, können Pflegebedürftige der Pflegestufe 3 als „Härtefall“ eingestuft werden und erhalten, auf dieser Einordnung basierend, die höchstmöglichen Leistungen, die die Pflegeversicherung vergibt. Unter einem Härtefall versteht man Schwerstpflegebedürftige, die im Rahmen der Grundpflege täglich mindestens sieben Stunden versorgt werden müssen, davon zwei Stunden während der Nacht.

Über die körperliche Verfassung des Pflegebedürftigen hinaus überprüft der Gutachter des MDK auch, ob der Antragsteller aufgrund einer Demenzerkrankung, geistiger Behinderung oder psychischer Krankheit in seiner Alltagskompetenz dauerhaft eingeschränkt ist. Ist dies der Fall, wird neben der allgemeinen Pflege und Versorgung eine zusätzliche, intensive Betreuung des Versicherungsnehmers notwendig. Im Gegensatz zu Pflegestufe 1 und 2, wo sich die monatlichen Leistungen im Falle einer Demenzerkrankung erhöhen, erhalten Pflegebedürftige der Pflegestufe 3 bei „eingeschränkter Alltagskompetenz“ jedoch keine höheren Zahlungen.

Welche Leistungen umfasst die Pflegestufe 3?

Wer von der Pflegeversicherung als pflegebedürftig im Sinne der Pflegestufe 3 anerkannt wird, erhält entweder ein monatliches Pflegegeld oder Pflegesachleistungen, die direkt mit dem jeweiligen Pflegedienst, der die Versorgung des Versicherungsnehmers übernimmt, abgerechnet werden. Auch eine Kombination beider Leistungen ist möglich. Das monatliche Pflegegeld der Pflegestufe 3 beträgt 728,00 Euro, für Pflegesachleistungen können 1.612,00 Euro eingesetzt werden. Im Härtefall erhöhen sich die Pflegesachleistungen auf 1.995,00 Euro.
Darüber hinaus können Pflegebedürftige weitere Leistungen und Zuschüsse in Anspruch nehmen, u. a. 1.612,00 Euro jährlich für die Kurzzeitpflege. Für die Verhinderungspflege ist derselbe Betrag vorgesehen. Eine Tages- oder Nachtpflege wird mit 1.612,00 Euro im Monat bezuschusst, dazu kommen 40,00 Euro für Pflegehilfsmittel. Die behindertengerechte Anpassung der Wohnung unterstützt die Pflegeversicherung mit bis zu 4.000,00 Euro.

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