Pflegestufen

Bis Ende 2016 wurde der Grad der Pflegebedürftigkeit anhand von Pflegestufen gemessen und von der Pflegeversicherung finanziell bezuschusst. Wir erklären Ihnen die Pflegestufen.

Wer schwer krank ist, eine körperliche oder geistige Behinderung aufweist oder aus altersbedingten Gründen auf Pflege und Unterstützung im Alltag angewiesen ist, kann bei der Pflegeversicherung einen Antrag darauf stellen, als pflegebedürftig eingestuft zu werden. Mit der Erstellung eines Gutachtens ermittelt die Pflegekasse die Schwere der Pflegebedürftigkeit: Abhängig davon, in welchem Maße eine Person bei der Verrichtung alltäglicher Handlungen auf Hilfe angewiesen ist, wurde bis Ende 2016 die jeweilige Pflegestufe bestimmt, die genau regelt, welche finanziellen Mittel der Pflegebedürftige bei der Pflegeversicherung beantragen kann.

Was bedeutet eigentlich Pflegebedürftigkeit?

1995 wurde in Deutschland erstmals ein Gesetz zur Pflegeversicherung erlassen. Seitdem ist gesetzlich festgeschrieben, unter welchen Umständen eine versicherte Person als pflegebedürftig eingestuft werden kann. Der entsprechende Absatz findet sich im elften Sozialgesetzbuch, SGB XI, § 14, Absatz 1 und fasst die Voraussetzungen zusammen. Danach gilt ein Mensch dann als pflegebedürftig, wenn er aufgrund einer „körperlichen, geistigen oder seelischen Krankheit oder Behinderung für die gewöhnlichen und regelmäßig wiederkehrenden Verrichtungen“ Hilfe benötigt. Der Hilfsbedarf muss in höherem bzw. erheblichem Maße bestehen und er muss langfristig, d. h. für mindestens sechs Monate gegeben sein.

Als Voraussetzung, um eine Einstufung in eine der Pflegestufen zu erhalten, sind Krankheiten und Behinderungen definiert, die z. B. in einer Schädigung des Bewegungsapparats, Störungen des Zentralen Nervensystems oder Funktionsstörungen der inneren Organe bestehen können. Mit einer ärztlichen Bestätigung, dass es sich um eine dauerhafte Erkrankung handelt, können Versicherungsnehmer ihre Position bei der Pflegekasse untermauern. Ausschlaggebend für die Erteilung einer Pflegestufe ist allerdings ein Gutachten, das durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen erstellt wird. Im Rahmen eines Besuchs beim Versicherungsnehmer kann der Gutachter des MDK diesen in seinem gewohnten Umfeld beobachten und die Zeit, die für die tägliche Pflege benötigt wird, ermitteln. Anhand der Minuten, die die Grundpflege, bestehend aus Körperpflege, Ernährung und Mobilität, in Kombination mit hauswirtschaftlichen Besorgungen täglich beansprucht, errechnet sich die jeweilige Pflegestufe.

Wie viele Pflegestufen gibt es?

Solange die Pflegestufen den Ausschlag dafür gaben, welche Leistungen ein Versicherungsnehmer von der Pflegeversicherung beziehen kann, kam es bei der Bemessung der Pflegestufe allein auf den täglichen Zeitaufwand an, der für die Pflege aufgewendet werden muss. Als Bestandteil dieser sogenannten Minutenpflege wurden sämtliche Hilfestellungen gewertet, die in den Bereich der Grundpflege fallen. Dazu zählen die Körperpflege, die Ernährung und die Mobilität. In ergänzender Form konnten auch hauswirtschaftliche Verrichtungen wie etwa das Erledigen von Einkäufen, Wäschewaschen oder die Reinigung der Wohnung in die Pflegeminuten eingerechnet werden.

In Abhängigkeit von der jeweiligen Minutenanzahl, die ein pflegender Angehöriger oder Pflegedienst im täglichen Durchschnitt für die Pflege des Versicherungsnehmers aufwenden muss, wird die Pflegestufe errechnet, die der Versicherte von der Pflegeversicherung zuerkannt bekommt. Insgesamt gibt es vier Pflegestufen, wobei die Pflegestufe 0 eine Sonderrolle einnimmt, denn sie war zunächst überhaupt nicht als Teil des Pflegestufensystems vorgesehen und wurde im Rahmen der Pflegereform erst im Jahr 2008 als Ergänzung der anderen drei Pflegestufen eingeführt.

Die Pflegestufen

Je schwerer eine Erkrankung oder Behinderung, und je geringer die verbleibende Selbstständigkeit ist, desto höher fällt in der Regel die Bezuschussung durch die Pflegeversicherung aus. In insgesamt vier Abstufungen (Pflegestufen 0, 1, 2 und 3) legt die Pflegekasse fest, in welcher Höhe ein pflegebedürftiger Versicherungsnehmer ein Pflegegeld, Pflegesachleistungen sowie weitere Leistungen der Versicherung in Anspruch nehmen kann.

Ein besonderer Fall ist die Pflegestufe 0: Sie war grundsätzlich nie als Teil des Pflegestufensystems vorgesehen und kam 2008 ergänzend hinzu. Weil die Kriterien für das Erreichen der ersten Pflegestufe in Minuten berechnet werden, konnten viele Versicherungsnehmer, die tatsächlich auf Unterstützung angewiesen sind, aber den erforderlichen Zeitrahmen nicht erreichten, keine Pflegestufe geltend machen. Betroffen von dieser Regelung sind vor allem Versicherungsnehmer mit einer Demenzerkrankung, die jedoch keine oder kaum Auswirkungen auf die körperliche Verfassung hat.

Pflegestufe 1 bildet die geringste Stufe der Pflegebedürftigkeit ab. Sie wird als „erhebliche Pflegebedürftigkeit“ beschrieben und erfordert eine tägliche Pflege und Unterstützung von mindestens 90 Minuten.

Pflegestufe 2 wird als „schwere Pflegebedürftigkeit“ definiert. Mindestens 180 Minuten muss ein pflegender Angehöriger oder ein Pflegedienst täglich in die Pflege des Versicherungsnehmers investieren, damit dieser die Leistungen der Pflegestufe 2 erhält.

Pflegestufe 3 ist schließlich die höchste Stufe der Pflegebedürftigkeit und trifft auf Menschen mit einer „schwersten Pflegebedürftigkeit“ zu. Aufgrund schwerer körperlicher oder geistiger Behinderungen oder einer Kombination aus beiden müssen täglich mindestens 300 Minuten für die Pflege veranschlagt werden. Die Versicherungsnehmer müssen in vielen Fällen rund um die Uhr betreut werden, d. h. es muss auch nachts eine Pflegekraft anwesend sein. Für derart schwere Fälle sieht die Pflegestufe 3 eine ergänzende Härtefallregelung vor.